Er hat es wieder getan

Gestern abend gab es wieder mal einen Auftritt von Flavian Glont, dem bekanntesten Multiblind-Speedcuber, der gar kein Multiblind kann. Diesmal nicht bei Britain’s Got Talent, und auch nicht im ZDF Fernsehgarten, sondern bei RTL in der Sendung Supertalent. In der TVnow-Mediathek wird man die Sendung noch einige Zeit abrufen können. Die gesamte Show ist dort in 4 Kapitel unterteilt. Wenn Ihr nur Flavians Show sehen wollt, geht auf Teil 4 und spult 5 Minuten vor.

Nachtrag: Jetzt auch auf Youtube. 🙂

Was mir positiv aufgefallen ist: Diesmal lügt er das Publikum nicht derart an, dass er (wie beim ZDF) behaupten würde, er nähme sich jetzt 30 Minuten Zeit, um sich die 3 Cubes einzuprägen. Dafür ist in dem RTL-Sendeformat gar keine Zeit, und so sagt er freiheraus, er habe sich die Würfel zuvor eingeprägt, also zuhause.

Zunächst stellt er sich als „professioneller Speedcuber“ vor, weil er einen Zauberwürfel in unter 15 Sekunden lösen kann (sehend). Wie Ihr in meinem Fernsehgarten-Artikel auf freshcuber.de schon lesen konntet, war der „professionelle Speedcuber“ allerdings zuletzt 2015 auf einem Speedcubing-Turnier. In der Rubrik „Multi Blindfolded“, für die er sich bei jedem ahnungslosen Fernsehsender feiern lässt, ist er noch nie angetreten. Deshalb auch meine Behauptung oben im ersten Satz.

Die nächste Behauptung, er wandle die Farben in Zahlen und Buchstaben um, kann man mit gutem Willen als eine Beschreibung des Blindsolvings durchgehen lassen. DAS allerdings führt er ja gar nicht vor, sondern er hat einen oder zwei normale CFOP Solves auswendig gelernt. So schwer ist das nicht, Talent braucht das auch nicht wirklich (geschweige denn Supertalent), wenn man dafür Wochen und Monate zuhause üben kann.

Seine „erste Zauberwürfel-Schule Europas“ in Bukarest finde ich nicht im Web. Vielleicht macht er ab und zu Workshops in Schulen, so wie ich in der Stadtbibliothek Köln? Das Projekt würde mich interessieren; falls jemand also einen Link hat, bitte in die Kommentare.
Nachtrag: Simon K. hat mir freundlicherweise diesen Link geschickt: www.scoaladecub.com
Wer kein Rumänisch kann, kann sie sich mit Google Translate hier übersetzen lassen.

Seinen Auftritt beginnt Flavian mit einem normalen Speedsolve (sehend) in etwa 13 Sekunden. Das ist okay und ein solides Ergebnis in seiner Altersklasse, aber auch kein Beweis für „Supertalent“. Immerhin war der Cube nicht mit einem fertigen Scramble vorbereitet, sondern wurde mit weißen Handschuhen in der Jury gescrambelt.

Als nächstes werden dann 3 vorbereitete Cubes aufgedeckt, die er auswendig gelernt hat, wie er sagt. Also nicht gerade eben, sondern zuvor, zuhause. „Hunderte und Aberhunderte von Zügen“. Blind? Unglaublich! Ou My Dog! Die Jury ist genauso ahnungslos wie fasziniert. Vielleicht sollten sie mal auf Youtube nach guten Blindcubern wie Jack Cai, Stanley Chapel oder Graham Siggins suchen – das sind nämlich die Cuber, für die Flavian Glont hier stellvertretend den Applaus abholt und sich als Supertalent feiern lässt.

Flavian nimmt also den mittleren Cube und löst ihn mit verbundenen Augen und außerdem über dem Kopf – wohl, damit niemand behauptet, er habe unter der Augenmaske gespinxt. Der Solve endet mit einem H-Perm und ist (wie schon beim ZDF) kein Blindsolve, sondern lediglich ein auswendig gelernter CFOP-Solve.

Wenn man sich die Bilder der drei Cubes auf dem Foto genau anschaut, dann sieht man, dass der linke und rechte Zauberwürfel bestimmt den gleichen Scramble haben, allerdings mit anderen Farben und seitenverkehrt, also gespiegelt. Den zwei roten Ecken auf dem linken Cube entsprechen die zwei orangen Ecken auf dem rechten Cube. Daneben jeweils 3 Zweier-Blocks. Der Kantenstein zwischen den gleichfarbigen Ecken hat jeweils die gleiche Farbe wie der oben liegende Zweierblock. Das kann kein Zufall sein.

Diese beiden sozusagen gleich gescrambelten Zauberwürfel löst Flavian nun synchron mit jeweils einer Hand. Das erfordert schon Übung. Zudem noch kopfüber hängend an einer Stange. Dafür gibt es von mir einen Sportlichkeitspunkt, einen Punkt gegen Nasenbluten und einen halben Synchrondrehlernpunkt. 😉

Schaut man sich hingegen das Video genau an, dann sieht man, dass es nicht einmal ein richtiger Solve ist. An beiden Händen dreht der kleine Finger jeweils einen Layer immer hin und her. Eine angrenzende Ebene wird immer in der gleichen Richtung weitergedreht. Also sowas wie R‘ U‘ R U‘ mehrfach hintereinander. Eine Zugfolge, bei der der Zauberwürfel nach 5 Durchgängen wieder im gleichen Zustand wie vorher. Das sind die „Hunderte und Aberhunderte“ von Zügen, die der Flavi dem Publikum und der Jury der Ahnungslosen als strahlend lächelnden Bären aufbindet. Ganz am Ende gibt es dann noch zwei oder drei Züge, die auch den 2x2x3-Block auf dem Cube, der während des „Blindsolves“ überhaupt nicht bewegt wurde, ebenfalls richten. Traurig, dass sich Flavian Glont für so einen Schrott bejubeln lässt.

Also wieder mal Fake. Flavian, Flavian, was machst Du nur? Nunja, die Menschheit will betrogen werden, und deshalb liest sie BILD und schaut sie RTL.

2 Kommentare zu „Er hat es wieder getan“

  1. Du bist doch nur neidisch. Wenn es so leicht ist, geh‘ Du doch mal ins Fernsehen!

    Sowas darf man in den Kommentaren auf YouTube lesen. Es macht mich fassungslos, dass manche Redaktionen nicht den Hauch von journalistischem Grundverständnis haben und solche Leute auf den Bildschirm lassen. Man muss nur „Rubrix blind“ googeln und schon stößt man auf Artikel und Videos, die sich mit diesem Thema befassen. Spätestens dann wird man feststellen, dass das alles weniger eindrucksvoll ist und man sich einen größeren Gefallen damit tut, wenn man Stefan Pochmann selbst einlädt. Oder man lässt die Weyer-Brüder ein paar Solves durchführen und feiert sie als Weltmeister ab. Dann käme man schon eher seinem Informationsauftrag nach und würde sicher stärker für dieses Thema begeistern. Aber wie Du selbst sagst/schreibst: Fernsehgarten… Es soll nur etwas unterhaltsames gezeigt, aber bitte nicht erklärt oder gar hinterfragt werden.

    RTL will nur unterhalten. Denen ist es ja sogar recht, wenn solche Auftritte heiß diskutiert werden. Wenn der Fernsehgarten ähnliche Ziele verfolgt, hat er im ÖR nichts zu suchen.

    Gefällt 1 Person

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